Unsere neue Rubrik: Mitglieder unseres Teams rezensieren Bücher, die Themen wie Konsum, wirtschaftliche Strukturen und Klimakrise behandeln. Also solche, die für dich auch interessant sein könnten. Wir laden dich herzlich ein, dir ein Bild zu machen und freuen uns, wenn du bei dieser Gelegenheit ein Buch für dich entdeckst.
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Fair for Future – ein gerechter Handel ist möglich
Nach über 50 Jahren Fairer Handel eine Geschichte der Bewegung und die Frage nach deren Zukunftsfähigkeit – ein Erfahrungsbericht und ein Anspruch
Gerd Nickoleit, Mitbegründer des Fairhandelshaus GEPA und einer der Protagonisten des „Alternativen Handels“, und seine Tochter Katharina Nickoleit, als Journalistin auch im Globalen Süden aktiv, bieten nicht nur eine Fülle von profundem Insiderwissen zu der Geschichte der Bewegung seit den 70ern. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Veränderungen entsteht ein plastisches Bild der engagierten Versuche, neue Wege zu einer gerechteren Weltwirtschaft zu finden.
Worum geht es?
Die Ursprünge der Bewegung
In der Aufbruchstimmung der 68er Jahre waren es Jugendliche und junge AktivistInnen, die die Abkehr vom „nachkolonialen Ausbeutungssystem“ forderten. Da sie über die wirtschaftlichen Zusammenhänge aufklären wollten, dienten die ersten Produkte des Alternativen Handels vornehmlich als Symbol – Stichwort „Jute statt Plastik“-Tasche.
Ihre revolutionären Ansichten wurden in der Öffentlichkeit durchaus wahrgenommen, auch wenn sich die Bewegung selbst immer wieder Grabenkämpfe lieferte.
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Ulrich Wegst hat ein nicht ganz kantenfreies Buch über die Kulturtechnik des Verzichtens geschrieben
Das Sprichwort weiß es längst: Weniger ist manchmal mehr. Und nach Lektüre von Ulrich Wegst Buch ließe sich ergänzen: Weniger ist der Schlüssel zum Überleben. Und zwar der Menschheit. So in etwa ließe sich die Pointe von Keine Angst vorm Verzicht reformulieren, in dem Wegst das Verzichten zur wichtigsten Kulturtechnik des noch jungen Jahrhunderts erhebt und zu einem Parforceritt durch nahezu alle gesellschaftlichen Felder ansetzt, um Bedeutung und Notwendigkeit des Weniger auszuloten. Die existentielle Dimension dieses Ansatzes ist, so der Autor, dabei nicht von der Hand zu weisen. Die Dringlichkeit des Verzichtens steht mit Blick auf überfischte Meere, überdüngte Böden, dem geradezu rauschhaften Einsatz von Pestiziden und Insektiziden aller Art, dem massenhaften Wegsterben von Flora und Fauna, dem Abholzen der Wälder und dem sich bedrohlich erwärmenden Klima außer Frage. Die planetaren Grenzen sind uns in den vergangenen Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit näher gerückt, der Klimawandel ist endgültig in den Zustand des Akuten getreten und wird nur noch von beinharten Kapitalisten und Populisten geleugnet (wenn auch seine Verharmlosung in nahezu allen politischen Lagern festzustellen ist). Das lässt sich nicht zuletzt im Aufkommen neuer politischer Akteure und einer Vielzahl an Veröffentlichungen zu diesem Themenbereich festmachen. Der oft geäußerten Einsicht, dass es so nicht weitergehen könne, steht allerdings der Umstand entgegen, dass sich in der Lebensführung der Mehrheit aller Deutschen (und damit letztlich der Mehrheit aller Bewohner des überindustrialisierten globalen Nordens) nichts geändert hat. Hier gilt auch weiterhin die Prämisse: Je mehr, desto lieber. Verzichten liegt uns nicht und Wegst zählt eine ganze Reihe biologischer, sozialer, ökonomischer wie politischer Gründe auf, warum es uns so schwer fällt, ein einmal erreichtes Konsumniveau wieder aufzugeben.